Im September 2017 war es soweit. Nach jahrelanger Zusammenarbeit übernahm Vorwerk den US-amerikanischen Saugroboter-Hersteller Neato Robotics. Bereits 2010 stieg Vorwerk bei Neato ein, die Roboter der beiden Geräte ähneln sich nicht nur äußerlich. In diesem Artikel möchten wir darauf eingehen, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten  zwischen den Geräten der beiden Hersteller gibt. Lohnt sich der Aufpreis den Vorwerk im Vergleich zur Mittelklasse der Kalifornier verlangt? Oder sollten Sie lieber direkt zum Top-Modell D7 connected greifen?

Erste Unterschiede deutlich

2011 veröffentlichte Vorwerk ihren ersten Staubsauger Roboter. Der Kobold VR 100 basiert auf den Neato Modellen XV11 und XV15. In einem Forumsbeitrag nannte ein Mitarbeiter von Vorwerk die Modifikationen, die das Wuppertaler Unternehmen vorgenommen hat. Laut eigener Aussage betreffen diese Änderungen primär die Hardware – also die physischen Bauteile des Saugroboters, während die Software größtenteils aus dem Hause Neato kommt. Der VR100 besitzt demnach ein besseres Gebläse. Hier konnte die Saugleistung erhöht und gleichzeitig der Akkuverbrauch reduziert werden. Die Bürste wurde angepasst, eine weitere Seitenbürste wurde hinzugefügt. Die Lautstärke konnte von 77 auf 69 Dezibel gesenkt werden. Anstelle eines Nickel-Metallhydrid-Akku verbaute Vorwerk einen modernen Li-Ion Akku. Die Kapazität wurde von 46 Wattstunden auf 64 erhöht, wobei aus Gründen der Langlebigkeit lediglich 50 Wh genutzt werden. Damit erreicht der VR100 1000 Ladezyklen. Selbst dann soll der Akku eine Restkapazität von 70 % besitzen. Weitergehend wurde der Filter verbessert, um einen besseren Abscheidegrad sowie besseres Rückhaltevermögen zu garantieren. Letztlich nutzt Vorwerk weicheres Material, um die Einrichtung der Nutzer zu schonen.

Man sieht, dass die Unterschiede bei der ersten Generation relativ deutlich ausfallen. Vorwerk betonte allerdings, dass einige der Änderungen auch bei neuen Neato Modellen zum Einsatz kommen sollen. Werfen wir jetzt einen Blick auf die neueren Modelle.

Vorwerk Logo auf Kobold VR200

Gemeinsamkeiten überwiegen

Inzwischen vertreibt Neato die Connected-Serie mit App-Steuerung und Vorwerk den Kobold VR200. Gemeinsam haben die Produkte so einiges. So gehören folgende Systeme zur Grundausstattung: intelligente Eckenreinigung, Navigation durch Laser-Ortung, Hindernis- und Abgrundsensorik, Room Positioning System um zu wissen, wo sich das Gerät momentan befindet, Multi Room Cleaning, High Performance Saugleistung, Magnetbänder zur Absperrung, Untergrunderkennung und das Wochenreinigungsprogramm. Auch die Bauweise bleibt mit der bekannten D-Form gleich. Je nach Modell kommen zahlreiche, kleinere Unterschiede zum Vorschein. Der Übersicht halber vergleichen wir lediglich den BotVac D7, den BotVac connected sowie den VR200 genauer miteinander. Die folgende Tabelle zeigt lediglich die Unterschiede der Geräte:

 Neato BotVac connectedNeato D7 connctedVorwerk Kobold VR200
Preis800€900€750€
FilterUltra-PerformanceUltra-PerformanceHEPA
Bürstenbreite27,6 cm27,6 cm24 cm
SeitenbürsteJaJaliegt eher vorne
Akku60,5 Wh60,5 Wh84 Wh
UltraschallsensorenNeinNeinJa
Sensoren am BumperNeinNein3
Bodensensoren223
Staubbehältervolumen0,7 Liter0,7 Liter0,5 Liter
DisplayJaNeinJa
KletterhilfeNeinNeinJa
Bauhöhe10cm10,1cm9cm

Hier wird sichtbar, dass es sich bei den neuen Änderungen um kleinere Anpassungen handelt. Die Basis sind und bleiben die Neato Saugroboter. Aufgrund der dadurch resultierenden Einschränkungen (primär der Platz im Gerät) werden Anpassungen komplexer je größer sie sind. Daher tut Vorwerk gut daran, sich zu beschränken. Wichtige Punkte innerhalb der Tabelle ist die Reduktion der Bauhöhe um einen Zentimeter beim VR200. Die Neato Geräte sind beinahe chronisch zu hoch. Das schränkt deren Nutzbarkeit bei niedrigen Möbeln enorm ein. Der Kobold macht das besser. Zusätzlich dazu erhöhen die Wuppertaler die Akkukapazität von 60,5 Wattstunden auf 84. Genauere Informationen, ob hier die gesamte Leistung genutzt wird, sind nicht bekannt, wir vermuten allerdings, dass der Kobold erneut maximal 65 Wattstunden nutzt, um die Langlebigkeit des Akkumulators zu schonen. Gleichzeitig reduziert Vorwerk die Kapazität des Staubbehälters von 0,7 auf 0,5 Liter. Das wird eine Konsequenz der zuvor genannten Verbesserungen sein. Niedrigere Bauhöhe und größere Akku reduzieren den verfügbaren Platz. Die einfachste Art Platz zu schaffen, ist den bereits ein- und ausbaubaren Staubbehälter kleiner zu gestalten.

Aufseiten der Sensorik besitzt der VR200 einen Bodensensor mehr sowie Sensoren am Bumper. Der Bumper (zu deutsch: Stoßstange) ist die Fläche des Geräts, die mit Hindernissen in Kontakt kommt. Wir gehen davon aus, dass Vorwerk Kobold VR200 Kletterhilfedamit zusätzliche Sensoren gemeint sind, denn die Saugroboter reagieren durchweg auf Anstöße. Besonders interessant ist die Kletterhilfe des Vorwerk Kobold VR200. Ein intelligenter Einfall der Ingenieure: an den Rädern des VR200 ist eine Stange angebracht, die sich ständig mit den Rädern dreht. Beim Überfahren von Hindernissen hebt sich der hintere Teil des Saugroboters und die Räder mitsamt der Kletterhilfe kommen zum Vorschein. Durch den Winkel der Stange kann sich der Roboter selbstständig über Hindernisse heben. Diese Funktion ist einmalig und nur bei Vorwerk verfügbar. Allerdings ist sie gleichzeitig nicht konfigurierbar und daher obligatorisch. Einige Nutzer haben sich bereits beschwert, weil der Kobold gewollte Stufen überfährt und dabei Spuren auf den Hindernissen (zum Beispiel auf Streben von Stuhlbeinen oder ähnlichem) hinterlässt.

Fazit zum Vorwerk – Neato Vergleich

Bei der Vielzahl der Neato Modelle verliert man schnell die Übersicht. Welcher Saugroboter kann was, welcher bietet die beste Leistung für das kleinste Geld? Fakt ist, dass der Kobold VR200 einige sinnvolle Verbesserungen innehat. Gegen längere Akkulaufzeit ist grundsätzlich nichts einzuwenden. In unserem durchgeführten Vergleich würden wir daher zum Kobold greifen. Er ist tatsächlich günstiger und bietet das meiste für das Geld. Insgesamt gesehen sind Nutzer aber mit günstigeren Geräten wie dem Neato BotVac D5 connected oder einem chinesischen Gerät von ILIFE besser beraten. Zwar fehlen hier einige Features, leistungstechnisch stehen die Geräte aber beinahe gleichauf.